Kanalbau

Kanäle sind wichtige Verbindungen zwischen den natürlichen Wasserstraßen. In Deutschland sind Rhein und Mosel die Hauptadern eines weitverzweigten internationalen Kanalsystems, das sich über Holland, Belgien und Frankreich erstreckt. Frühgeschichtliche und neuzeitliche Kanäle
Schon im Altertum wurden Kanäle gebaut, so in Ägypten, Mesopotamien und China. Sie dienten der Schifffahrt und der Wasserversorgung. Einer der ersten künstlichen Kanäle, von dem die Geschichtsschreibung berichtet, wurde unter Necho II. (Regierungszeit 610-595 v. Chr.) begonnen. Er führte vom Nil zum Roten Meer. Die größten Kanalkonstruktionen aus neuerer Zeit sind zweifellos der 1868 eröffnete Sueskanal, der 1914 fertiggestellte Panamakanal, das 1959 eröffnete Kanalsystem des Sankt-Lorenz-Stroms und der 320 km lange Kanal vom Weißen Meer zur Ostsee, dessen Bau 1975 beendet wurde. Der Bau künstlicher Kanäle war eine Folge zunehmender Schifffahrt, vor allem im Binnenverkehr. Als erste Vorläufer können durch künstliche Maßnahmen schiffbar gemachte natürliche Wasserläufe angesehen werden. Hierzu wurden bereits gegen 500 v. Chr. in China primitive, eintorige Schleusen benutzt. Es waren einfache Wehre mit Öffnungen, durch die Wasser strömte. Auf diesem Wasserstrome schwammen die abwärtsfahrenden Schiffe allein, während aufwärtsfahrende mit Winden gezogen wurden. Die erste zweitorige Schleuse ist wahrscheinlich die 1373 in Vreeswijk (Holland) gebaute Beckenschleuse. Der Wasserstand im Becken solcher Schleusen wird durch wahlweises Öffnen des oberen oder unteren Schleusentores geregelt. Leonardo da Vinci (1452-1519) baute die erste Schleuse mit in der Mitte sich öffnenden Schwingtoren. In geschlossenem Zustand bilden diese Schleusentore einen Winkel, sodass der Wasserdruck die Tore geschlossen hält. Ein historisch bemerkenswerter Kanal ist der 1681 von französischen Ingenieuren fertiggestellte Canal du Midi, der die Garonne bei Toulouse mit dem Mittelmeer bei Sete verbindet. Er führt über drei Aquädukte und einen Tunnel bei einer Länge von rd. 240 km. In den USA baute man Kanäle zur Verbindung der Flüsse Ohio und Mississippi mit den Atlantikhäfen, um Landgebiete zu erschließen und Hindernisse auf den sonst schiffbaren Gewässern zu umgehen. Das bedeutendste Kanalprojekt in den Vereinigten Staaten war die 580 km lange Verbindung vom Eriesee nach New York. Der Bau dauerte acht Jahre, bis er 1825 fertiggestellt wurde. Europäische Kanäle
Nach 1850 wurden in Europa – besonders in den Küstengebieten Hollands, Belgiens und Frankreichs – eine Reihe von Kanälen gebaut, die die Binnenhäfen mit dem offenen Meer verbanden. Einer der wichtigsten Kanäle ist der zwischen 1887 und 1895 erbaute Nord-Ostsee-Kanal, der mit nur zwei Schleusen eine Gesamtlänge von 98,7 km aufweist. Der längste Kanal ist der Mittellandkanal, der mit 325 km um 21 km länger ist als das Kanalsystem des Sankt-Lorenz-Seeweges. Er wurde 1938 fertiggestellt und verbindet Rhein, Weser und Elbe zwischen Bergeshövede und Magdeburg, von wo aus der Elbe-Havel-Kanal mit einer Länge von 56 km und drei Schleusen die Verbindung nach Berlin herstellt. Der Kanal mit den meisten Schleusen ist der bereits 1899 fertiggestellte Dortmund-Ems-Kanal: Auf einer Gesamtlänge von 269 km müssen die Schiffe 19 Schleusen passieren. Kanäle können nicht nur der Schifffahrt, sondern auch der Bewässerung von Ackerland dienen. Im nordwestlichen Indien wurden im 19. Jahrhundert von englischen Ingenieuren umfangreiche Bewässerungssysteme angelegt, wobei künstliche Dämme Flusswasser in ein Kanalsystem lenkten. Bis zum Jahre 1947, in dem Indien und Pakistan ihre Unabhängigkeit erlangten, wurden auf diese Weise mehr als 20 Millionen Hektar Land in den vorher trockenen Gebieten bewässert. Kanalbautechnik
Im Unterschied zu einer Straße muss ein Kanal in völlig eben verlaufenden Abschnitten gebaut werden. Entsprechend geringstem Bauaufwand versucht man daher stets, die Kanaltrasse entlang bestimmter Höhenlinien zu legen, wobei Geländeerhebungen durch Einschnitte und Tunnels überwunden werden. Senken werden durch aufgeschüttete Kanaldämme überquert. Wenn diese Baumaßnahmen zu aufwendig werden, richtet man Schleusen ein, die es gestatten, den Kanal auf entsprechend höherem oder niedrigerem Höhenniveau weiterzuführen. Dabei muss jedoch im Oberlauf genügend Wasser vorhanden sein, um den Verlust, der bei jeder Schleusendurchfahrt entsteht, ausgleichen zu können. Bei Kreuzungen von Kanälen mit Straßen, Eisenbahnwegen oder anderen Wasserstraßen müssen Brücken und Aquädukte gebaut werden. Um den Wasserverlust, der durch Versickern im Kanalboden entsteht, gering zu halten, sind besondere Maßnahmen erforderlich. Früher kleidete man Kanäle, die auf porösem Grund oder auf Aufschüttungen errichtet wurden, mit Lehmschichten aus. Heute stehen Dichtungsmaterialien wie Bitumen, Polyäthylen oder Beton zur Verfügung sowie Spezialmaschinen, die die Kanäle unter geringem Kostenaufwand mit Beton auskleiden. Diese Betonmaschinen werden vor allem im Mittleren Osten und in anderen Trockengebieten eingesetzt, in denen jeder Tropfen Wasser sehr kostbar ist.

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Info 26.09.2017 - 22:04
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