Die fast völlige Vernichtung der indianischen Kultur Nordamerikas zwischen dem frühen 17. und dem frühen 20. Jahrhundert ist ein Schandfleck in der nordamerikanischen geschichte.
Zwar wurden Tausende von Indianern durch Militäraktionen und Umsiedlung getötet, aber Krankheiten hatten bei weitem die schlimmsten Folgen. Vor allem die Pocken spielten dabei eine verhängnisvolle Rolle.
Bevölkerungsrückgänge
Pocken sind eine Infektionskrankheit mit einer Sterberate von bis zu 30 Prozent. Anfang der fünfziger Jahre des 20. Jahrhunderts waren sie in den USA ausgerottet, aber in früheren Jahrhunderten hatten sie schwere gesellschaftliche Auswirkungen. Man nimmt an, dass die Pocken Ende des 15. Jahrhunderts nach Mittel- und Südamerika sowie in die Karibik eingeschleppt wurden. Die Folgen waren schon damals verheerend. Die eingeborene Bevölkerung Mexikos schrumpfte beispielsweise bis 1520 von 25 auf unter 7 Millionen, und zwei Drittel aller Eingeborenen Puerto Ricos starben um 1515 an der Seuche. Ein Jahrhundert später erreichten die Pocken die Nordostküste der späteren USA und lösten dort eine Katastrophe aus.
Eine Million Opfer
Die britische und französische Kolonisierung Nordamerikas began um 1580. Die Neuankömmlinge brachten nicht nur große Hoffnungen, sondern auch die Pocken mit. Gegen diese Krankheit hatten die Indianer nie eine Immunität entwickelt. Von 1617 bis 1619 tötete die erste Pockenepidemie 90 Prozent der Massachusetts- und Algonquin-Indianer und reduzierte ihre Bevölkerung von etwa 30000 auf unter 500. Dann breitete sich die Seuche nach Westen und Süden aus und dezimierte Stämme wie die Huronen und Irokesen an den Großen Seen.
So ging es auch in den nächsten zwei Jahrhunderten weiter. (Tau sende von Kolonisten starben ebenfalls an Pocken, und in Europa gab es im 18. Jahrhundert jährlich 400000 Tote.) Die Pocken waren zwar nicht die einzige Krankheit, unter der die Indianer litten! aber im Jahr 1800 waren etwa zwei Drittel der Prärieindianer daran gestorben. Anfang des 20. Jahrhunderts hatte sie etwa eine Million Indianer umgebracht.
Fakten
1. Anfang des 17. Jahrhunderts wüten die Pocken unter den Indianern an der Nordostküste Amerikas.
2. Von 1617 bis 1619 dezimiert die erste große Pockenepidemie die Massachusetts-Indianer.
3. Pockenepidemien töten in den folgenden zwei Jahrhunderten mehr als 500000 nordamerikanische Indianer.
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